Von La Provenzana auf den Ätna bis 2700 m

Gestern war das Wetter zunächst nicht geeignet für eine Wanderung hoch in Richtung Hauptkrater. Wir gehen den Tag also langsam an, orientieren uns in La Provenza, einem Refugium am Nordhang des Ätna auf 1700 m, welches 2002 von den Lavamassen vollständig zerstört wurde. Noch vor nicht allzu langer Zeit standen hier nur Baucontainer, jetzt existieren wieder die ersten Holzbauten. Wir trinken Espresso, kaufen eine genaue Wanderkarte des Ätna Nationalparks, in der nicht nur die Wege, sondern auch die Lavaströme der letzten Jahre eingezeichnet sind. Interessant!

Erst am späten Nachmittag klart es auf und ich entschließe mich für eine „Schnellbesteigung“. Allein, ohne Rucksack und mit leichten Schuhen steige ich in einer Stunde mehr als 700 m auf. Die Wolken ziehen sich zurück und die Abendsonne erzeugt eine sehr schöne Lichtstimmung. Die Luft ist nun klar und zuerst kann man bis Taormina schauen (35 km), später über die Straße von Messina bis auf das Festland nach Reggio Di Calabria (70 km) und dann sogar an der Südküste Kalabriens entlang, sozusagen die Sohle des Stiefels (100 km). Keine schlechte Ausbeute für den ersten Versuch!

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Peter und der böse schwarze Berg! Ein e-Mountainbike als Spezialanfertigung. Offensichtlich ein kräftiger Motor, der von einer großen Batterie auf dem Anhänger angetrieben wird. Der Fahrer ist 70!

Der nächste Tag beginnt mit strahlend blauem Himmel. Nichts wie los, den Weg kenne ich ja schon ... Vorbei an den erstarrten Lavamassen von 2002 geht es kontinuierlich bergauf. Riesige tote Bäume erzeugen eine gespenstige Stimmung, aber überall bahnt sich die Natur schon wieder ihren Weg und es grünt. Wir erreichen die Schneegrenze und müssen immer wieder Schneefelder queren. Nachdem Heike zwei Tage zuvor auf einem harmlosen Stück in den Schnee eingebrochen ist, sind wir sehr vorsichtig geworden. Der Ätna hat Skigebiete am Nordhang, dort wo wir wandern, und bei 2.300 m passieren wir die höchste Bergstation. Die Piste ist lang und sieht auch nicht einfach aus. Man müsste mal im Winter herkommen ... In 2.500 m Höhe gibt es eine Stelle mit guter Rundumsicht und wir machen eine ausgiebige Rast. Von dort aus entdecken wir Felder mit aufsteigenden Dämpfen. Bis dahin auf 2700 m gehen wir noch, dann drehen wir um. Den ganzen Tag hatten wir den rauchenden Ätna bei sehr guter Sicht direkt vor Augen, nun hüllt sich der Berg langsam in Wolken. Der Weg hinunter zieht sich und jeder Schritt zieht eine Staubwolke hinter sich her. Die Beine sind am Ende fast so schwarz wie die Lava selbst. Unten angekommen sind wir trotz des herrlichen Wetters heute fast die einzigen Besucher und genießen noch einen Espresso in einem kleinen Berghotel.

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Der Lavastrom hat sich durch den Wald gefressen.                                  Frisches Grün und pechschwarze Lava.

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Man erkennt ganz gut, wie der Strom seine Bahn gezogen hat. Mit zunehmender Höhe müssen wir immer öfter Schneefelder      queren, hier auf ca. 2.500 m, der Ätna im Hintergrund ist 3.300 m hoch.    
                                                                                                      

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Nach einer Picknickpause …                                                                            … geht es weiter bergauf. 

Wir wollen heute noch bis Francavilla Di Sicilia Fiume Alcantara, das sind nach GPS nur ca. 40 km. Allerdings ist die Straße nicht nur sehr kurvig, sondern auch ziemlich steil. Das zwingt uns sehr langsam zu fahren und es zieht sich. Weniger als 2 km vor dem Ziel, wir haben schon das Ortsschild passiert, dann plötzlich ein Problem: Brückendurchfahrt mit 2,40 m Höhe. Da müssen wir mit 3,20 m Höhe des Autos auch nicht genauer nachmessen. Angekündigt war das nicht, deshalb sind wir erst einmal sauer! Rückwärts geht es die Straße bis zur nächsten Einmündung und dann orientieren wir uns neu. Ganz offensichtlich müssen wir das Tal mindestens 10 km weiter in Richtung Westen befahren bis die nächste Möglichkeit einer Querung besteht. Das alles auch nur mit der vagen Aussicht, dass nicht wieder ein Hindernis auftaucht. Die Straßen sind alle nicht nur einspurig ohne Mittelstreifen, sondern wirklich sehr eng. Selbst PKW hupen vor jeder Kurve, um den Gegenverkehr auf sich aufmerksam zu machen. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt haben wir Gewissheit. Dieses Mal kommen wir durch. Wir finden einen netten Platz für die Nacht und mit Spaghetti und Polpette (Bulette) in einer urwüchsigen Trattoria geht ein schöner und langer Tag zu Ende.

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