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Taroudant: Pferdekutschen und Schlangenbeschwörer - alles echt!

Auf dem Hauptplatz der Stadt sitzt man und babbelt. Stundenlang. Man hat sich schon lange nicht mehr gesehen. Vermutlich seit gestern…

‍Taroudant liegt herrlich, umgeben von Bergen. Jetzt im Januar besonders dekorativ: die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas im Hintergrund. Wir, die es normalerweise kaum länger als einen Tag in der Stadt aushalten, bleiben zwei Tage in Taroudant. Das muss einen Grund haben. Stimmt, alles echt!

‍Erstens kommen wir gegen Abend an und landen mitten in dem gerade erwachenden Leben der Medina. 80 Kilometer von Agadir entfernt, verirren sich ein paar Tagesausflügler hierher, doch abends ist die Stadt weitgehend unter sich.

Die Umgebungsmauer der Kasbah mit weißen Atlasgipfeln im Hintergrund.

‍Die Essensstände bauen sich ab dem Nachmittags langsam auf. Abends gibt’s an jeder Ecke was zu kaufen. Wir disponieren um. Statt Restaurant gibt’s heute Essen von den Garküchen.

‍Vorspeise: 3 Kringel, frisch vor unseren Augen gebacken. Vor uns in der Schlange werden 6, 12 oder noch mehr Kringel gekauft. 1 Kringel = 1 Dirham = weniger als 0,10 EUR.

Zweitens sind die Pferdekutschen hier nicht für Touristen herausgeputzt, sondern werden von den Einheimischen als normales Taxi zum Einkauf benutzt. Allerdings würden sie natürlich lieber uns eine Stunde in der Gegend herum kutschieren, als das alte Mütterchen mir ihren Einkäufen um die nächste Ecke nach Hause fahren. Wir lehnen aber ab, so hat sie dann doch ihre Kutsche.

‍Ein Pferdekutschen-Taxi wartet direkt gegenüber unserem Parkplatz auf Kundschaft. 

‍Hauptsächliche Fortbewegungsmittel: Fahrrad und Moped.

‍Die Puffottern sind wie immer träge, aber die Kobra schnappt auch mal.

‍Er redet und redet und redet auf seine Schlangen ein. Die Berber im Hintergrund halten Abstand.

‍Und drittens zeigt ein Schlangenbeschwörer seine Künste, umringt nur von staunenden Berbern. Kein Tourist in Sicht. Doch wo es eine Menschenansammlung gibt, da gibt es etwas zu bestaunen. Abends war es das Fußballspiel Senegal gegen Mali des Africa Cup of Nations, der gerade in Marokko stattfindet, am Morgen sind es Puffottern und schwarze Kobras. Mich schüttelt’s!











Für diese Erlebnisse schlafen wir ausnahmsweise auch mal im Hinterhof-Parkplatz gleich neben dem Bab Taghout, dem westlichen Eingang zur Medina. Gleich daneben liegt eine mittelalterlich anmutende Gerberei, voll und ganz in Betrieb. Der Geruch kündigt es an! Wir bekommen sogar eine Privatführung, ein Besuch ist allerdings nur für Hartgesottene zu empfehlen. 

Häute hängen in der Lauge oder über den Stangen.

Auf dem Boden ausgebreitet werden Ziegen- und Schaffelle getrocknet. An der Wand hängt ein Dromedar.

Anfahrt auf Taroudant mit weißen Atlas-Gipfeln. Auf unserem Parkplatz: ein kleiner Gebetsraum. Gegenüber die Werkstatt-Meile. Wie jede Medina ist auch die von Taroudant von einer großen Mauer umgeben, durch die Tore betritt man das bunte Treiben. Bunt sind die zahlreichen Obststände, die befüllten Wasserflaschen. In den Wasserflaschen könnte Waschmittel sein. Aber daneben die pastellfarbenen Dinger - man kommt nicht drauf - sind Küken! Die Marokkaner schrecken vor nichts zurück.

Vor jedem Metzgerstand hängt der Kopf des Rindes, der Ziege oder des Schafs. Man sieht, was man isst und man betätschelt es manchmal auch.

Die Schulmauer verlangt besondere Beachtung: Wenn man alles richtig addiert, bekommt man einen Doktorhut!

09/01/2026

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