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Moschee Hassan II - Wie der Thron Allahs über dem Wasser

Die Mosche Hassan II. ist teilweise auf einer künstlichen Plattform über dem Atlantik gebaut. Links neben der Moschee blitzt das Meer durch.

‍An- und Abfahrt - widersprüchlich

‍Schon zehn Kilometer außerhalb des Zentrums von Casablanca, der modernen 4-Millionen-Stadt ziehen wieder Esel vorm Holzpflug die Furchen im Acker. Zwar entstehen entlang der Küste neue Ferien- und Wochenend-Komplexe, aber unmittelbar daneben wohnen die Ärmsten unter Plastikplanen.

‍In Casablanca gehen wir in den ersten Supermarkt seit Wochen. Gezielt suchen wir einen Carrefour. Hier gibt es - im Gegensatz zu anderen Supermärkten - Bier und Wein zu kaufen. Der Alkoholraum ist allerdings abgetrennt, mal versteckt im Kellergeschoss, zumindest aber in einer Ecke des Supermarkts abgetrennt. Man muss sich wirklich „outen“, wenn man sich da reintraut.


‍Casablanca gerade aus! Zunächst nur in Arabisch und Tifinagh. Auf dem nächsten Schild steht es dann auch in lateinischer Schrift.

‍Blick auf Casablanca vom Moschee-Vorplatz. Auch gegenüber stehen die Menschen auf der Plattform, weil heute die Wellen besonders schön sind.

‍Hassan-II-Moschee

‍Die gesamte Küstenregion und insbesondere Casablanca hat für uns mit dem Rest von Marokko wenig zu tun. Hier ist man deutlich westlich orientiert, während im Rest des Landes die Berberkultur vorherrscht. So ist das Stadtbild von Casablanca mit jeder anderen Großstadt am Meer vergleichbar. Wir sind nur wegen der Hassan-II -Moschee hierher gekommen. 

‍Die ist allerdings großartig - aber ebenso widersprüchlich.

‍Sie ist zwar nach dem König Hassan II benannt, wurde aber aus Steuergeldern erbaut. Daher wurde nach der Eröffnung nachts mehrmals der Schriftzug „Hassan-II-Moschee“ durch „Mosche des Volkes“ ersetzt. Das spricht für sich.

‍Die Hassan-II-Moschee ist eine der wenigen Moscheen, die von Nicht-Muslimen mit Führer besichtigt werden darf. Vielleicht um den Steuersäckel wieder aufzufüllen?

‍Zwar kommt das meiste Baustoff, wie Zedernholz, Granit und Marmor aus Marokko, die Handwerker so und so, aber die Leuchter aus Murano-Glas und ein bisschen Carrara-Marmor aus Italien sind doch dabei. Das Dach der Moschee ist in wenigen Minuten auf- und zuklappbar. Frische Luft braucht man, wenn der Ramadan in die Sommermonate fällt und 25.000 Gläubige sich im Innern der Moschee versammeln.

‍Und dann steht die Moschee direkt am bzw. teilweise auf dem Meer „Wie der Thron Allahs über dem Wasser“ auf 60 Meter langen Stahlbetonsäulen, die in den Meeresboden gerammt wurden. Überall sind Materialien verwendet, die besonders resistent gegen die Korrosion durch Salzwasser sind. Das tonnenschwere Eingangstor zum Waschraum, das sich nach oben „wegschieben“ lässt, ist ganz und gar mit Titan ummantelt.


‍Leuchter aus Murano-Glas.

‍Tor mit Titan verkleidet.

‍Über 100.000 Menschen versammeln sich im Ramadan hier. Nur dann sind auch die großen Waschräume geöffnet.   An einer Lotusblüte haben 12 Gläubige für die rituelle Waschung Platz. Entlang der Rinnen zwischen den Blättern läuft dann das Wasser.

‍Man hat uns versichert, es gibt noch keine Risse im Bau, obwohl man über dem Wasser schwebt. 

Die Moschee ist mit ihrem Fassungsvermögen von 25.000 Personen im Innenraum und 80.000 auf dem Vorplatz eine der größten Moscheen der Welt. Das Minarett nimmt mit über 200 Meter Höhe sogar Platz 2 ein. Den grüne Laserstrahl, der nachts von dort oben während der Gebetszeiten nach Mekka zeigt, sieht Peter abends in 36 km Luftlinie Entfernung an der Küste!


   

14/01/2026

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