Jetzt sind wir ja schon einiges gewohnt aus Ostafrika und Peru. Aber vielleicht waren wir zu lange „abstinent“ oder wir sind älter geworden … die marokkanischen Märkte haben es jedenfalls in sich! Ganz ehrlich, so ein Einkauf auf dem Markt in Al Hoceima ist faszinierend, aber auch anstrengend. Die Sinne werden einfach überstrapaziert! Aber die Faszination überwiegt! Am zweiten Tag kennt man uns schon. Das war doch die mit dem Hut, die gestern Avocados gekauft hat… und der, der gestern auch einen Mokka wollte. Es wird gewinkt und gelacht! Insbesondere als ich statt dreieinhalb Dirham für die Bohnen (0,30 EUR) dreißig Dirham (drei Euro) bezahlen wollte. Der Verkäufer hat sich fast nicht mehr einrenken können!
Die Hühner werden direkt in der Markthalle im „mobilen Hühnerstall“ gehalten. Das Ei fällt aus dem Huhn - plopp! - und schon liegt es zum Verkauf auf der Theke. Die afrikanische Methode durch das Ei gegen die Sonne zu schauen, um gegebenenfalls das Küken darin zu entdecken, ist absolut überflüssig. Frischer geht’s wirklich nicht. Trotzdem könnte man beim Anblick der Hühner zum Veganer werden …
Selbstverständlich kann man auch lebende Hühner kaufen. Sie werden an den Beinen in die Höhe gehoben, begutachtet, während sie aufgeregt flattern, ob sie als Suppenhuhn oder doch als Broiler enden. Mahlzeit!
Der stolze Metzger zeigt uns den Kopf auch von innen: frisch! Ich esse heute trotzdem lieber vegetarisch…
Noch hartgesottener muss man sein, um Fleisch zu kaufen. Gott sei Dank haben wir noch genug! Dabei sahen die Fleischstände bisher immer sehr appetitlich aus. Keine blutigen Hackklötze wie in Ostafrika, sondern gekühlte Theken. Die gibt es hier auch im Hintergrund, aber vorm Laden liegt als Anziehungspunkt ein abgehakter enthäuteter Ochsenkopf! Der klotzt einen noch an, so frisch ist er. The cow from tonight! Der Metzger ist sichtbar stolz auf sein Objekt und posiert für uns, auch wenn wir nichts kaufen.
Wo ist jetzt eigentlich der Unterschied? Die Fische glotzen uns auch alle an. Wir sehen beim Wandern die Fischerboote entlang der Küste tuckern. Fangfrisch liegen die Fische jetzt in der „Fischabteilung“ der Markthalle. In den Gewässern des Nationalparks Al Hoceima gibt es sogar Schwertfisch. Daran können wir nicht vorbei. Am nächsten Tag kommen wir wieder und kaufen noch ein Stück, denn: So zart war Schwertfisch noch nie zuvor!
Zu guter Letzt genehmigen wir uns sozusagen als Belohnung für den anstrengenden Markttag einen arabischen Mokka und einen echten marokkanischen Pfefferminztee. Starker Grüntee mit viel, viel Minze und einem Streichholzkästchen-großen Stück Zucker! Schmeckt aber. Übrigens, Marokko importiert rund 40.000 Tonnen Grüntee pro Jahr.
Und während wir so sitzen im Restaurant, ruft der Muezzin mal wieder zum Gebet. Wir haben uns schon daran gewöhnt. Es ist ein bisschen wie das Glockenläuten daheim - die wenigsten stören sich daran. Das Treiben geht weiter.
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