Südl. Kaukasus

Alles selbst erlebt! Im südlichen Kaukasus.

Kloster Sümela, dann Tee trinken in der Plantage

Felsenkirche des Klosters Sümela, von außen mit Fresken bemalt.

GPS: 40.6901, 39.6583

‍Fahrt nach Osten 

‍Auf der Fahrt durch das Pontische Gebirge von Safranbolu nach Amasya fühlen wir uns an „Schwarzwald“ erinnert. Dicht bewaldete Berge, unten noch Wiesen und Mischwald, darüber dunkler Nadelwald und ganz weit oben auf einem 1700 m-hohen Pass - Schnee! Man mag es nicht glauben, aber am Straßenrand gibt es rote Begrenzungsstangen für den Schnee im Winter.

‍Von Amasya zum Kloster Sümela fahren wir dann einen langen hässlichen Küstenabschnitt, zudem mit total verstopfter Schnellstraße, weil in ein paar Tagen Opferfest ist und alle für die Feiertagswoche nach Hause wollen. Aber als wir in Trabzon wieder in die Berge abbiegen, sind wir sofort wieder im Grünen. Überraschung: Unten blüht der Rhododendron, oben liegt noch Schnee.

‍Das Pontische Gebirge zwischen Safranbolu und Amasya erinnert uns sehr an deutsche Mittelgebirge.

‍An der Küste reicht es direkt bis ans Schwarze Meer. 


Auch wenn uns die Küste nicht besonders gefällt, die Sonnenuntergänge am Meer sind schön. Außerdem gibt es auf einmal alle 100 m eine Bäckerei oder gleich mehrere mit dem besten und größten Brot, das wir bisher gesehen haben. Wir kaufen nur einen halben Laib und kriegen den schon kaum unter.

‍Kloster Sümela

‍Man würde sich wünschen, dass die türkische Regierung das Kloster Sümela schon eher als Nationalerbe entdeckt hätte. Das passierte leider erst 1972, bis dahin war das orthodoxe Kloster lange verlassen und ist verfallen. Zwar ist schon einiges renoviert, aber es gibt noch sehr viel zu tun, um die alten Schätze zu retten. 

‍Das, was man heute besichtigen kann, geht bis auf das 14. Jahrhundert zurück. Die erste Kapelle wurde vermutlich sogar schon im Jahr 385 an der Stelle erbaut. Die Mönche müssen definitiv schwindelfrei gewesen sein, das Kloster hängt am Fels.
Uns beeindrucken die außenliegenden Fresken an der Felsenkirche am meisten. Sie liegen zwar unter einem Felsvorsprung, sind aber dennoch unter freiem Himmel. 

‍Die Klosteranlage klebt förmlich am Fels und wurde Netzen,  Strippen und Seilen abgesichert.

‍Die Fresken gehen direkt in den Fels über. Fast alle sind verkritzelt. Wir entdecken eine griechische Inschrift aus dem Jahr 1875.

Fast alle türkischen jungen Frauen kaufen sich als Souvenir ein rotes Kopftuch mit goldenen Dukaten dran. Vom Parkplatz geht es 4 km die Schlucht entlang zum Kloster hinauf. Leider ist der Fußweg gesperrt, wir müssen mit dem Bus fahren. 

Wegen des starken Regens der letzten Tage ist die Schlucht mit Wasserfall ziemlich beeindruckend. Wir schaffen es nicht ganz zum Auto zurück, da kommt das nächste Gewitter. 

‍Tee trinken in der Plantage - das war der Plan…

‍Teeplantagen sind etwas ganz Besonderes! Dieses Erlebnis wollen wir uns nicht entgehen lassen.

‍Nur acht Kilometer sind es von der Küste bei Cayeli zu der Teeplantage Dogan Gimli Bahçe, allerdings einspurig und mit bis zu zwanzig Prozent Steigung. Das schafft das iMobil viel besser als die PKW-Schlangen, die mit uns bergauf und bergab unterwegs sind. Zumal bei dem schlechten Wetter und der schlüpfrigen Straße.   

‍Nachdem wir allerdings drei, viermal in einem Knoten mit zehn bis zwanzig Autos gesteckt waren, sind wir 800 Meter vorm Ziel bei strömenden Regen umgekehrt. Fotos konnten wir nur aus dem Auto machen. Zu sehr waren wir mit dem Entknoten beschäftigt. Dabei hatten wir extra ein paar ortsansässige Männer gefragt, ob unser Auto für die enge Straße geeignet wäre. No Problem! …

‍Erinnert uns stark an Kenia: Feucht, neblig, grün. Nur etwas wärmer könnte es sein.

‍Das Opferfest wirft seine Schatten voraus

‍Nach dem Andrang in Sümela (Samstag) und dem Run auf die Teeplantage (Sonntag) wird uns so langsam klar, dass das islamische Opferfest wie Weihnachten bei uns ist - die Familie kommt zusammen, man isst das Opfertier oder sonst was ordentliches und unternimmt gemeinsam was! 

‍Der 1. Opferfesttag ist erst am Mittwoch, den 27.5.2026. Der Tag davor, Arife, ist ein „halber“ Feiertag, also so ähnlich wie Heilig Abend, den  2., 3. Opferfesttag gibt es auch noch… Die türkische Regierung hat ihren Angestellten mal gleich die ganze Woche frei gegeben. 

‍Jedenfalls sind schon am Wochenende davor alle auf den Beinen. Ein unternehmenslustiges Völkchen, die Türken! 

‍Den Nationalpark Kackar Gebirge wollen wir uns dennoch nicht  entgehen lassen, aber am 1. Opferfesttag setzen wir uns ab nach Georgien! 

‍(So hatten wir es vor, aber wir passen den Plan dem Wetter an.)

Zehn kommen noch den Berg hinauf, zehn warten aufs Abwärtsfahren.

23/05/2026

©       Wroblowski / Zängerlein