Südl. Kaukasus

Alles selbst erlebt! Im südlichen Kaukasus.

Nationalpark Kaçkar - Abstecher nach Nepal

Sieht doch aus wie in Nepal, auch wenn wir nicht nicht da waren.

GPS: 40.8328, 41.0472

‍Klein-Nepal…

‍Sind wir noch in der Türkei? Es ist triefend nass, von oben und von unten, daher umso grüner. Rhododendren blühen im Wald, Kirschlorbeer, Holunder, Esskastanien. Alles, was man von seinem Garten zuhause kennt, nur ein bisschen größer und dichter. Wir sind in einer Art kaltem Regenwald gelandet - „Cloudy and Mossy  Forest“. 

‍Der Kaçkar Nationalpark hat tatsächlich Niederschlagsmengen wie die Monsumgebiete Südostasiens und hat den Beinamen Klein-Nepal. Er ist als exzellentes Trekking- und Wandergebiet bekannt. Wir wissen, wird sind noch ein bisschen früh im Jahr dran, in den Hochlagen liegt noch Schnee. Da probieren wir es zunächst mal mit den Palovit Wasserfällen, die liegen nur auf 1000 m. 

‍Was auf OSM Karten und in Komoot als Wanderweg beschrieben ist, ist in Wirklichkeit eine alte Pflasterstraße. Jetzt, in der Opferfestwoche haben noch mehr die Idee, einen Ausflug zum Wasserfall zu machen. Hundert türkische Autos rumpeln voll besetzt den Berg hinauf und zwei verrückte deutsche Wanderer!

‍Erkenntnis: die Türken lassen sich von Regen, Kälte und schlechten Straßen nicht abhalten, aber laufen keinen einzigen Schritt 😉

Ziemlich grün und ganz schön nass!

Die Pflasterstraße ist eigentlich ein Bach. Rhododendren wachsen wie Bäume im Wald. Am Wasserfall gibt es eine „Partnachklamm“, leider ist der Weg durch die Klamm gesperrt, da verfallen. Die gewölbten Brücken kennen wir noch aus Griechenland, die mittelalterlichen Burgen von daheim.

‍Ayder, überlaufen wie Grindelwald

‍Im Nachbartal liegt Ayder, der Hauptort des Nationalparks, sieht ein bisschen aus wie Grindelwald. Drei Parkhäuser am Ortseingang fangen die Automassen ab, im Städtchen ein Souvenirladen am andern, Menschen über Menschen. Bei strömendem Regen. Wir können es kaum glauben.

‍Sechs Kilometer weiter in Galer ist es schon wesentlich ruhiger, aber es gibt auch dort jede Menge noch geschlossene Buden - leider die meisten Bruchbuden. Die ersten Grillstände haben geöffnet, die Lammhaxen warten auf Gäste. 

‍Wir stellen uns ganz allein auf den im Bau befindlichen Wohnmobilstellplatz des Nationalparks, eine gepflasterte Fläche. Oh Wunder, spät nachmittags kommt noch ein Ford-Focus, eine fünfköpfige Familie mit drei kleinen Kindern inklusive  einem Kinderwagen richtet sich für die Nacht im Auto ein. Es regnet bei  9° C und für die Nacht sind 4° C vorhergesagt…

‍Daheim ist übrigens Pfingstwochenende und es hat 30° C. Nur so nebenbei.

‍Blick aus dem „Schlafzimmerfenster“. 18 Uhr und eine Stunde später… 

‍Wir haben Glück: es klart auf.


‍Be careful, watch the bears!

‍Im Gegensatz zu allen Beschreibungen ist die Straße ab Galer für weitere drei Kilometer und 300 Höhenmeter nagelneu gemacht. Statt Piste, jetzt Betontrasse. Als wir auf einen echten Waldweg abzweigen, rumpelt ein Pickup hinterher, wo eigentlich nur noch Raupen fahren können. Die Ranger deuten auf die Augen: Be careful, watch the bears!

‍Da begeben wir uns doch lieber auf die breite, überschaubare Betonstraße.

‍Einen Tag später entdecken wir, was ein Bär anrichtet, wenn er Hunger hat… Weil es wohl so gut gerochen hat, waren auch die massiven Holzbohlen der Fassade kein Hindernis für ihn. Auf der Kühlschrankisolierung hat er seinen Fingerabdruck hinterlassen, das Mobiliar ist demoliert, selbst die Spüle hat eine Delle, aber in den Regalen stehen noch die Teller. 


‍In dieser finsteren Umgebung warnen uns die Ranger vor Bären.

‍Opferfest - Feiertagswetter!

‍Nachts reißt es auf und einen Tag später, am Ersten Opferfesttag, scheint die Sonne - echtes Feiertagswetter!Jetzt erst erkennen wir so richtig, in welcher grandiosen Gegend wir gelandet sind. Und da wir über die Betonstraße hinaus noch zum „Mount Everest Basislager“ wandern, sehen wir auch noch den Kaçkar Dağı mit seinen 3931 Metern! 

‍Einen Tag später reisen wir nach Georgien weiter. 

Am Ende des Tals thronen die Dreitausender. Dafür haben wir zwei Tage im Nebel ausgeharrt. 

25/05/2026

©       Wroblowski / Zängerlein