Südl. Kaukasus

Alles selbst erlebt! Im südlichen Kaukasus.

Über den Datvis-Jvaris-Ghele-Pass zum Wehrdorf Shatili

Das Wehrdorf Shatili als Vorlage für ein Schweizer Terrassenhaus: treppenförmig am Hang, Flachdach, Balkon nach vorne. Nur die Schießscharten wurden nicht von den Schweizern übernommen. 

GPS: 42.6588, 45.1575

40 km auf schlechter Piste über den Datvis-Jvaris-Ghele-Pass 

Wir sind zwar durch Overlander-Kommentare auf schlechte Piste nach Shatili vorbereitet, da die Piste nach Roshka aber wider Erwarten bestens präpariert ist, treten wir ohne viel Bedenken die Fahrt ins Nachbartal über den Datvis-Jvaris-Ghele-Pass (2677 m) nach Shatili an.

Es geht uns nicht besser, als den Overlandern vor uns: für 40 Kilometer brauchen wir drei Stunden. Über die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 30 km/h können wir nur lachen.

In unserer Erinnerung war der legendäre Sani-Pass nach Lesotho auch nicht schlimmer. 

Der Datvis-Jvaris-Ghele-Pass, wörtlich Bären-Kreuz-Pass, ist erst seit zwei Wochen geöffnet und immerhin sind sieben Bagger und zwei Raupen auf der Strecke im Einsatz bzw. unterwegs stationiert, denn die Piste muss nach dem Winter überall (!) ausgebessert werden. 

‍30 km/h - wir kriechen mit 15 km/h sowohl bergauf, als auch bergab.

‍Bei der Rückfahrt meint es der Wettergott gut mit uns. Was für eine Aussicht auf dem Pass! 


Straßenbilder von der An- und Rückfahrt über den Pass. Sie sind fast alle beim Fahren aufgenommen. 

Auf dem 1. Foto sieht man an den weißen Leitplanken, wie sich die Straße in Serpentinen nach oben schraubt. Überhaupt lohnt es sich, auf die Leitplanken zu achten.

Wehrdorf Shatili

Shatili war ein mittelalterliches Wehrdorf, das die nördliche Grenze des Königreichs Georgien verteidigt hat. Es liegt auch heute direkt an der Grenze zu Russland. Beim Wandern weiter ins Tal führt unser Weg bis 600 Meter an die Grenze zu Russland heran und  der Grenzposten auf dem Berg wird ganz hektisch, obwohl ich nur das Stopp-Schild fotografieren will. 

Die alten Steinhäuser im Wehrdorf sind ganz dicht aneinander gebaut, sodass die äußeren Häuser eine Art Mauer um das Dorf bilden. Längst nicht alle sind restauriert, aber es gibt schon ein paar Unterkünfte und Cafés in den alten Gemäuern. Shatili ist UNESCO Welterbe.

Bis vor zwei Jahren war unser etwa vierzigjähriger Campingplatzbesitzer einer der wenigen ständigen Einwohner Shatilis (2014 waren es 22). Jetzt verlässt auch er im Winter das Dorf und lebt und arbeitet in Tbilisi. Shatili ist nur über den Datvis-Jvaris-Ghele-Pass erreichbar und der ist sechs Monate im Winter nicht passierbar. Sechs Monate von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, ist nicht einfach. Wir können uns das nicht einmal vorstellen. 

Die georgische Küche hat es allerdings auch in diesen abgelegenen Winkel geschafft. Wir bestellen Pilzsuppe mit viel Koriander und „Meat in Cabbage“, was wir als Kohlroulade übersetzen. Es kommen sechs gefüllte Weinblätter in der Größe meines kleinen Fingers. 🤣 Wir bestellen noch eine Runde von der leckeren Pilzsuppe und Khachapuri. Jetzt sind wir satt! Da wir die Wirtschaft in diesem Dorf etwas ankurbeln wollen, gehen wir auch am nächsten Tag wieder essen. Es regnet und ist kalt, aber es gibt nur eine Terrasse. Da sitzen wir als einzige Gäste eben am schnell freigeräumten Küchentisch, schauen zu, wie das Essen zubereitet wird und gucken der Köchin in den Topf. Wir essen Hühnersuppe, dann gefüllte Teigtaschen, dann Tee mit Kuchen und zwei Schnäpse aufs Haus zwischen Suppe und Hauptspeise. Und bezahlen pro Person 10 EUR. - So kann das wirklich nichts werden mit dem Dorf!

‍Die Häuser wirken von außen wie eine große Anlage.

‍Sie sind eng aneinander gebaut und mit Holzbrücken verbunden.


Das neue Shatili besteht im wesentlichen aus einer Kirche und ein paar Restaurants und Unterkünften.

 Anatori-Grabstätten

Noch weitere 20 km führt die Piste von Shatili ins hintere Tal und dort es gibt tatsächlich auch noch drei winzige Dörfer, noch winziger als Shatili. 

Wir wandern allerdings nur noch ein paar Kilometer vorbei an den Blue Rocks und an der makabren Grabstätte von Anatori

Anatori, das Nachbardorf von Shatili, wurde im 18. Jahrhundert von einer Seuche heimgesucht. Nicht nur die Toten wurden außerhalb des Dorfes in kleinen Steinhäusern begraben, sondern auch die Erkrankten begaben sich freiwillig zum Sterben dorthin. Dennoch wurde das gesamte Dorf ausgelöscht bis auf einen zwölfjährigen Jungen, der als Hirte in einem Nachbardorf gelebt hat.

Die Steinhäuser stehen noch, durch die offenen Fensterhöhlen sieht man die Gebeine der Toten kreuz und quer übereinander liegen.

‍Blaue Felsen unweit Shatili.

‍Rechts obehalb der Argun-Schlucht liegt die Grabstätte von Anatori, genau gegenüber der georgische Grenzposten.

Dieses Schild will ich fotografieren, da werde ich schon zurück gepfiffen. 

Argun-Schlucht. Blaue Felsen. Frühling im Kaukasus. Das letzte Foto zeigt eine von drei Grabstätten des Dorfes Anatori.

14/06/2026

©       Wroblowski / Zängerlein