Südl. Kaukasus

Alles selbst erlebt! Im südlichen Kaukasus.

🇹🇷Im Hamam von 1436 - so sauber waren wir noch nie

Tarihi Cinci Hamami aus dem Jahr 1645 in Safranbolu. Ist auch noch in Betrieb.

‍Das Wetter ist schlecht, die Hamams in Amasya warten auf uns! Mehrere Hamas aus dem 15. Jahrhundert stehen zur Auswahl, die klappern wir erst einmal ab. Im ersten dürfen die Frauen zwischen 10 und 17 Uhr baden. Davor und danach die Männer. Im zweiten dürfen die Frauen nur mittwochs kommen, alle anderen Tage sind den Männern vorbehalten.

‍Für uns passt das gut, denn es ist gerade Mittwoch. Peter geht in den Mustafa Bei Hamami aus dem Jahr 1436, ich in den kleineren Kumacik Hamami von 1495.

‍Wir lesen ein bisschen vorab, was uns erwartet: Badehose anziehen, nicht ganz nackt kommen. Dann aufwärmen, peeling, einschäumen von oben bis unten, Wasser schöpfen und über sich gießen, Wasser schöpfen, gießen, Wasser schöpfen, … 

‍Wir machen uns auf!

Mustafa Bey Hamami aus dem Jahr 1436 in Amasya.

Erkeklere - die Männer sind dran.

Warm- und Kaltwasser und ein Steinbecken zum Mischen.

‍Sehr authentisch

‍Ich werde sofort von einer beherzten Dame in Badehose untergehenkelt, zu meinem Kabuff geführt, hier zieh ich mich aus und dann geht’s weiter. Ich werde wieder untergehenkelt mit viel Gelächter - wir verstehen gegenseitig kein Wort - und sie bietet mir als ersten eine Tee an im Eingangsbereich unter einer Lichtkuppel, zeigt mir das Abkühlbecken , den Aufwärmraum, dort „mein“ Becken mit „meinem“ Tas. Man lässt heißes und kaltes Wasser in das Steinbecken, dass keinen Abfluss hat. Dann nimmt man die Schöpfschale, Tas, und gießt das Wasser über sich. 

‍Ich lure nach rechts, was die Frau dort macht und mache einfach alles nach. Mindestens hundert Mal gieße ich in der nächsten Stunde Wasser über mich. 

‍Nach der ersten Reinigung, werde ich auf einen warmen Steintisch in der Mitte gelegt und von Kopf bis Fuß mit einem Peelinghandschuh, Kese, abgerieben. Inklusive Gesicht, Hals, hinter den Ohren, zwischen den Zehen und Fingern. Überall! 

‍Danach kommt die Einseifung. Ich schäume von Kopf bis Fuß, wie witzig! 

‍Und danach wieder schöpfen, gießen, schöpfen, gießen, …

‍Vom Bade- und Aufwärmraum geht’s dann über das Abkühlbecken - ich werde für mein Eintauchen sehr bewundert - zurück unter die Kuppel des Empfangsraums. Dort trinken wir Tee, benutzen den Google-Übersetzer um über Familie, Gott und die Welt zu reden. Wir sind nur zu viert, es wird gemütlich, eine zündet sich eine Zigarette an.

‍Wir sind bereit für die zweiten Runde. Diesmal wird nur geschöpft und gegossen, aber lustig ist’s allemal.

‍Bei der Verabschiedung werden ich herzlich umarmt. Ich möchte am liebsten nächste Woche wieder kommen.


‍Preis für 2 Stunden Vergnügen: 400 Lire für den Hamam, 150 für Peeling, 150 für Massage, zusammen ca. 13 EUR. 

Typische Lichtkuppel in einem Hamam. Die Konstruktion macht unglaublich hell. 

In den Baderäumen des Topkapipalastes, Istanbul. So ähnlich sieht’s bei uns auch aus. Nur nicht so gut restauriert.

Mai 2026

©       Wroblowski / Zängerlein