Fazit - Wie hat es uns gefallen?

Einfach spektakulär: „Geier“ im Anflug - und das in dieser Landschaft auf der Fahrt zur Laguna del Diamante.

Die Impressionen von den ersten fünf Monaten durch Patagonien haben wir unten ausführlich dargestellt. Nichts davon müssen wir revidieren nach der zweiten Etappe, aber natürlich hat der Norden auch neue Eindrücke von Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt hinterlassen.


Die Landschaft

In Patagonien

2.500 km Luftlinie sind es von Buenos Aires nach Feuerland - das entspricht einer Strecke von Oslo nach Sizilien. Klar, dass die Landschaft, wegen der wir hierher gekommen sind, uns mit Einigem überrascht. Aber dass sie so anders ist, als wir gedacht haben …

Zunächst fahren wir durch die Pampa entlang der gesamten argentinischen Atlantikküste nach Süden: topfebene Graslandschaft, kein Baum, kein Berg, nichts woran das Auge sich festhalten könnte. Monoton? Mit den Abstechern an die Küste und dem sehr abwechslungsreichen Wetter, finden wir das nicht einmal langweilig, freuen uns dann aber riesig, nach drei Wochen auf Feuerland wieder Bäume und die letzten Ausläufer der Kordilleren zu sehen. Auf Feuerland sehen wir auch unseren ersten kalten Regenwald, eine grüne Hölle aus Moosen, Flechten, Farnen, die uns absolut in ihren Bann zieht. 

Auf dem Weg nach Norden wird die Szenerie dramatisch. Wir pendeln zwischen Chile und Argentinien durch die Anden: schneebeckte Berge, allen voran der Monte Fitz Roy, der Cerro Torre und die Torres del Paine. Türkis-schillernde Seen im Nationalpark Perito Moreno. Und dann der Perito Moreno Gletscher, der vor unseren Augen Omnibus-große Eisberge kalbt. Ein Naturschauspiel, das Gänsehaut erzeugt!

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Die Torres del Paine mit Heiligenschein und ein gerade eintauchender Eisberg am Perito Moreno Gletscher.

Am meisten überrascht sind wir vom wilden Süden Chiles, der Carretera Austral - die kalten Regenwälder hatten wir hier ganz und gar nicht erwartet. Die Carretera Austral wird zu Peters persönlichem Highlight. Absolutes Kontrastprogramm danach ist die liebliche Hügellandschaft auf der Insel Chiloé mit ebenso lieblichem Klima und einem phantastischen Angebot an Obst, Gemüse und Fisch für Gourmets. Chiloé-West präziser formuliert, denn die Pazifikküste im Osten präsentiert sich neblig und rau. Aber auch auf dem chilenischen Festland gibt es bei Puerto Montt, dem Ende der Carretera Austral, einen großen Einschnitt. Fast ist es, als ob wir in ein anderes Land einreisen würden. Die südchilenische Seenplatte wirkt alpenländisch vertraut - wären da nicht die Vulkane, die spektakulär über allem stehen und ihre schneebedeckten Kegel in den Himmel strecken. Im Nationalpark Huerquehue, dem nördlichsten Punkt unserer ersten Chile-Runde, freut sich Heike ganz besonders den Cerro San Sebastian erklommen zu haben, um über grüne Steilhänge in der Ferne sieben Vulkane zu erblicken.

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Urwald im Nationalpark Pumalin und Blick vom Gipfel des Cerro San Sebastian.

Wieder auf argentinischer Seite gönnt uns die argentinische Schweiz um Bariloche eine kleine Pause fürs Auge, bevor sich entlang der Ruta 40 die Vulkanlandschaften um den Payún und die Laguna del Diamante gegenseitig wieder übertrumpfen. Die Fahrt zur Laguna del Diamante wird für Heike der absolut überraschende und krönende Abschluss.


Im Norden

Wir fahren vorbei am höchsten Berg Amerikas, ja dem höchsten außerhalb Asiens, wir drehen die „Runde der 6000er“, nehmen öfter mal ein Bad in heißen Quellen über 4000 m und genau so hoch müssen wir einige Male auch übernachten. Die Hoch-Anden sind rau und sie fordern uns physisch und psychisch, aber sie ziehen uns auch mit aller Kraft in ihren Bann. Die Einheimischen beten „Pachamama“ an, die „Mutter Welt, Mutter Kosmos“, und bitten sie um Beistand, bevor sie in die Berge gehen. Wir bewegen uns mit viel Demut in der gewaltigen Natur und der Gedanke daran, dass eine gute Mutter über uns wacht, ist sehr beruhigend.

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Der Cerro Aconcagua ist mit 6961 m der höchste Berg außerhalb Asiens. Rechts ein Aquarell aus dem Valle del Arco Iris. 

Belohnt werden wir mit traumhaften Ausblicken auf eine Landschaft, die in den Farben aller Mineralien dieser Welt schimmert! Das ist gegenüber Patagonien definitiv ein neuer und sehr prägender Reiseeindruck.

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Und dann ist da die Atacama. Sie erstreckt sich 1000 km in Nord-Süd-Richtung im Norden Chiles bis an die Grenze zu Peru und 200 km in Ost-West-Richtung von den Hochanden bis an die Pazifikküste. Wir fahren 3500 km durch die Wüste. Dabei erleben wir absolut trostlose Steinwüste und wunderschöne Sandwüste, Berge, Canyons, Salzseen, Geysire … sengende Sonne exakt aus dem Zenit und Nachttemperaturen nahe Null, phantastische Fernsicht über 200 km und Orkan-Böen, die uns den Sand ins Gesicht peitschen. Weniger als 10 % Luftfeuchtigkeit und über lange Zeit nur salziges Wasser. Und dennoch haben wir uns jeden Tag wieder neu gefreut auf das Erlebnis Atacama. Und jeden Tag hat uns die Wüste etwas Neues gezeigt - sehr inspirierend!


Tier- und Pflanzenwelt

In Patagonien

Im Vergleich zu Afrika, und da kommen wir nun mal von unserer letzten Reise her, ist die Tierwelt ziemlich unspektakulär. Hin und wieder ein kleines Gürteltier oder ein Fuchs, etwas öfter ein paar Guanakos, hinterlassen bei uns keine allzu tiefen Eindrücke - wir sind einfach zu verwöhnt ;-) Aber eine Wal-Show zum Frühstück bei der Halbinsel Valdés, ein Spaziergang zwischen See-Elefanten an der Punta Ninfas und die Beobachtung von Königspinguinen auf Feuerland sind einmalig und bleiben tief haften. Und dann ist da noch der König der Anden - der Kondor! Beim ersten Sichten denken wir noch, was haben wir für ein Glück. Aber dann gehört der Kondor fast zu einem treuen Begleiter bei unseren Wanderungen durch einsame Andentäler und Schluchten. Mal schwebt er einsam, mal als Flugschule, mal über, mal unter unseren Köpfen - majestätisch bleibt er allemal!  (Zur tierischen Reise mit mehr Fotos geht’s hier.)

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Eigentlich sind das die etwas kleineren „Jotes“ (Rabengeier), bei uns heißen sie alle „Condorrrr“ - natürlich nicht das Guanako.


Eine Wanderung durch einen Araukarienwald ist definitiv ein Highlight , ebenso das Entdecken eines „Stern der Anden“. Dennoch: Bei den Pflanzen schafft es die Vegetation der kalten Regenwälder im Süden auf Platz 1: Neben Farnen, Moosen, Flechten und vielem nicht zu definierenden Blattwerk, entdecken wir winzige Blümchen an den Boden oder eine geschützte Ecke gekauert. Bezaubernd. (Mehr Fotos hier.)

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Im Norden

Na klar, Kakteen in allen Größen und Formen, ganze Nationalparks, die diesen stacheligen Brüdern gewidmet sind. Lamas, Alpakas domestiziert und Vikunjas wild lebend! Flamingos auf über 4000 m und Pelikane sowie viele andere Raubvögel am Meer. Und großer Reichtum an Fischen, Krabben und Muscheln im nährstoffreichen Humboldt-Strom. Zwischen 10 und 20 % des weltweiten Fischfanges findet hier vor der Küste Chiles statt. Die Einheimischen gehen ins Wasser und holen sich ein Mahlzeit raus, sie schnorcheln nach den tollsten Köstlichkeiten oder sie werfen einfach eine Schnur mit Köder ins Wasser. Das Meer ernährt sie alle, auch wenn das hier und da offensichtlich nicht ganz legal ist. Wir finden jedoch: Mundraub ist erlaubt!

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Das Wetter 

In Patagonien

Ja, es gibt Wetter, raues Wetter! Temperaturschwankungen von 10° innerhalb von ein paar Stunden sind vollkommen normal, dem Wind haben wir ein eigenes langes(!) Kapitel gewidmet. Der uns bis dahin unbekannte An-/Aus-Schalter für die Windemaschine hat uns absolut fasziniert und fast denken wir jetzt etwas wehmütig an die Nächte zurück, in denen uns das iMobil in den Schlaf geschaukelt hat. 

Im Norden

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Kann Wetter anstrengend sein? Ja!  Die trockene Luft der Atacama, die Luftdruck-Unterschiede zwischen Pazifikküste und Hochanden, die Temperaturschwankungen zwischen der nebligen Küste und der nur 5 Kilometer entfernten Wüste müssen erst einmal verdaut werden. Unsere Ausflüge in die Hochanden über 4000 m haben wir immer gut geplant und hatten außer ein paar schlaflosen Nächten keine Symptome von Höhenkrankheit. Offensichtlich haben wir uns sowohl schnell, als auch gut akklimatisiert. Keiner hat uns jedoch gesagt, dass einem auch das Bergab-Fahren Kopfweh beschert und Kräfte raubt. An der Pazifikküste mussten wir immer erst ein paar Tage ausruhen bevor der Tatendrang wieder überhand genommen hat :-)

Aber das ist ja jammern auf höchstem Niveau: vier von viereinhalb Monaten hatten wir nur die kurze Hose und ein T-Shirt an! Bis auf ein paar trübe, neblige Tage direkt an der Küste und ganz am Ende in Cusco, brezelte die Sonne zuverlässig jeden Tag vom Himmel. So gesehen, ist ein Rückflug nach Deutschland im Januar, das Schlimmste was man sich antun kann: zweimal fünf Minuten Sonne in einer Woche ist einfach zu wenig!


Die Menschen 

Die Chilenen sind deutsch, die Argentinier italienisch. Das ist, kurz zusammengefasst, unser Eindruck und hat wohl mit dem Einwanderungshintergrund von Chile und Argentinien zu tun. 

Die Chilenen sind zunächst sehr zurückhaltend, ja fast distanziert, wenn man sie aber anspricht, freundlich und hilfsbereit. Die Argentinier sind offener, lachen mehr, kommen von sich aus auf uns zu ohne aufdringlich zu sein. Symptomatisch: In Chile werden wir fünf Monate lang außer von deutschstämmigen Einwanderern von niemanden angesprochen, in Argentinien kommen gleich am ersten Tag mehrere einheimische Urlauber auf uns zu, denen wir mit Händen und Füßen den Weg oder unser Auto zeigen müssen. So sind uns am Ende, obwohl wir nie schlechte Erfahrungen gemacht haben, die Argentinier ein kleines bisschen sympathischer. Nicht zuletzt, weil sie ja sooo gerne küssen! Ein Schmatzer auf die Backe zum Abschied, dass einem die Ohren fiepen - das wird uns echt fehlen :-)))


Kulinarisches 

Wie auf jeder Reise lassen wir uns voll und ganz auf das lokale Angebot ein und finden: vielleicht sieht nicht alles so knackfrisch und EU-genormt aus wie zu Hause, der Geschmack ist auf jeden Fall besser! Das trifft auf Obst und Gemüse zu, insbesondere aber auch auf Fleisch. Bei Wein, Bier und Kaffee setzen wir ebenso ganz und gar auf lokale Sorten. Nur beim Brot können wir nicht über den deutschen Schatten springen - wir gleichen das Defizit alle zwei Wochen durch ein selbst gebackenes Roggenbrot aus. (Mehr, viel mehr, über Kulinarisches hier.)


Infrastruktur und Lebensstandard

Ein Punkt, der uns vollkommen überrascht. Wir würden den Standard sowohl von Argentinien, als auch von Chile durchaus mit dem des südlichen Europa vergleichen, es dominiert relativer Wohlstand und die Statistiken geben uns recht. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt nicht weit hinter Griechenland und Portugal und noch vor dem der Türkei (World Fact Book 2015).  Das hat rein praktisch gesehen durchaus angenehme Seiten, aber es ist auch ein wenig langweilig. 

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Hauptverkehrsadern sind oft in außergewöhnlich gutem Zustand, der Carretera Austral genehmigen wir einige Erdrutsche, den Hochanden ein paar Wellblechpisten ;-). Die Supermärkte in Kleinstädten präsentieren ein ordentliches Angebot, Kreditkarten-Akzeptanz ist weiter verbreitet als in Deutschland. Und bei den Menschen, die das Stadtbild prägen sehen wir keinen Unterschied zu Europa - die Mode ist global und jeder kann sie sich offensichtlich leisten.


Okay, nicht immer sieht es nach high-tech aus.

In den Städten und insbesondere deren Umland werden wir allerdings auch mit viel Armut konfrontiert. Die Lebensumstände erinnern uns fatal an die ärmsten Staaten Ostafrikas. Insbesondere im Weinanbaugebiet um Mendoza kommt uns das krass vor. Gerade hier gibt es doch eigentlich genug Arbeit, die allen Menschen ein angemessenes Leben sichern sollte. 

Ein starkes Süd-Nord-Gefälle gibt es im Umgang mit Müll. In der Patagonien-Runde war der Müll nicht erwähnenswert, im Norden Chiles kann man über die verhüllte Landschaft einfach nicht mehr hinwegsehen. Insbesondere die Pazifikküste sieht oft wie eine kilometerlange Müllhalde aus - und dabei wohnen dort kaum Menschen. Man fährt offensichtlich Zig Kilometer aus den Städten ans Meer, um dort kostenlos seinen Unrat zu entsorgen.

Reisen ohne Internet - für uns nicht mehr denkbar. Free WiFi ist uns immer willkommen und scheint viel weiter verbreitet als in Deutschland.

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