Nebel und Natur am Pazifik

Jeden Morgen bis 11 ist die Küste in dichten Nebel gehüllt, ab 17 Uhr nachmittags zieht es sich wieder zu. Dazwischen: Sonne! 

Wie staunen wir, als wir nach unserer Kirchen-Runde im Osten gegen Abend die Insel queren, um den Nationalpark Chiloé an der Pazifikküste im Westen der Insel zu besuchen. Der Park schützt die Dünenlandschaft und Regenwälder. Nur 20 km Luftlinie und wir haben einen Temperatursturz von 10°C, wir kommen aus einem sonnigen Sommertag mit 23°C und landen in einer unwirtlichem dichten Nebeldecke. Am nächsten Morgen sieht es kaum besser aus: erst um 11 Uhr beginnt die Sonne sich gegen die Nebelschwaden durchzusetzen - ein völlig normales Phänomen an der Pazifikküste! Wir nehmen’s gelassen. Jetzt erleben wir die Insel wenigstens, wie sie wirklich ist!

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Die Natur ist dafür überwältigend. Ein 15 km langer und bis zu 200 m breiter Sandstrand lädt uns zum Wandern ein - nachmittags, wenn die Nebelschwaden sich aufgelöst haben. Ins Wasser gehen nur die Abgehärteten, es hat nicht einmal Ostsee-Temperatur. Aber die Chilenen sind keine Weicheier. Sie wissen wohl, wärmer wird’s nicht! Am Samstag und Sonntag kommen sie in Trupps an den Strand. Einer nach dem andern überschätzt sein Auto vollkommen und buddelt sich bis zum „jetzt geht gar nichts mehr“ in den Sand ein. Nur die Familien mit genügend starken Jungs schieben ihr Auto alleine aus den Löchern. Bei den anderen kommen unsere Schaufel und Sandbleche als Leihgabe gleich mehrfach zum Einsatz - zum ersten Mal nach vier Jahren! 

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Über die steilen Hänge ziehen sich Regenwälder - mit den dunklen Wolken im Hintergrund erinnert die Szenerie stark an Südostasien, nur fehlen dazu 20°C!  Als der Dunst sich gelichtet hat, fahren wir am Strand entlang zu unserer nächsten Wanderung. Am Strand entlang bedeutet nicht, dass wir Wild-West spielen. Die „Straße“ ist in der Karte eingezeichnet und hat eine Nummer. Es gibt Haltestellen mitten in den Dünen, Kühe auf dem Weg, Fahrspuren, die bei Flut im Meer enden - kein Witz! Neben Navigationstalent muss man auch noch die Gezeitentabelle im Kopf haben.


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Die schwarz-orangefarbenen Pferdebremsen, die auf ganz Chiloé um uns herumschwirren, verfolgen uns selbst im Auto mit 25 km/h. Wir können sie nicht abhängen, schneller sind wir im tiefen Sand leider nicht. So nehmen wir sie mit auf unsere Wanderung Richtung Cole-Cole-Strand. Die Küstenlandschaft bietet viel für's Auge, aber was wir im von der Zivilisation abgeschnittenen Fischerdorf Huentemó am Ende der Straße sehen, ist erbärmlich. Strom und Wasser ist zwar auch hier angekommen, aber der Zustand sowohl der Häuser, als auch der Menschen ist desolat. Zwar wird im Gemeindehaus offensichtlich gerade eine Art Schulung für Erwachsene abgehalten, aber nicht alle können teilnehmen. Ein Mann liegt vor uns im Gras und schläft seinen Rausch aus! Von dieser Wanderung kommen wir mit geteilten Gefühlen zurück.

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Am nächsten Tag haben wir Glück: strahlend blauer Himmel schon morgens. Die Wetterphänomene hier werden uns immer ein Rätsel bleiben. Wir fahren zum Kai der Seelen, Muelle des las Almas, - nicht gerade mit den Zwölf Aposteln an der Great Ocean Road vergleichbar, aber allemal eine außergewöhnliche und dazu sagenumwobene Felsformation im Meer. Amüsant: die Chilenen stellen sich in einer langen Schlange geduldig an und lassen sich alle auf der hölzernen Rampe, die dem Kai der Seelen nachempfunden ist, fotografieren. 


Bei der Muelle de las Almas  beenden wir unseren Ausflug an die Pazifikküste Chiloé bei strahlendem Sonnenschein.

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