Am Atlantik angekommen - Seelöwen und Papageien

Das kleine Naturreservat Punta Bermeja wurde zum Schutz der Seelöwen-Kolonie bei La Loberia eingerichtet.  

Kaum haben wir den Rio Negro überquert biegen wir auf eine unbefestigte Piste ab und treffen 60 km später an der einsamen Küste auf die erste Seelöwen-Kolonie. Sie scheinen die Landesgrenze Patagoniens zu kennen und haben sich nur wenige Kilometer südlich beim Mini-Örtchen La Loberia (fünf Häuser und eine Polizeistation) niedergelassen. Wer möchte als Seelöwe schon im Bundesstadt Buenos Aires wohnen?
Im zugehörigen Naturreservat Punta Bermeja werden wir von einem deutschen Studenten begrüßt, der hier sein Praktikum absolviert.

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Bei Punta Bermeja fühlen sich nicht nur die Seelöwen wohl, in den sandigen Wänden der Steilküste haben sich auch Tausende von Felsen-Papageien niedergelassen, die eigentlich überall um einen herum schwirren.


Weiter südwärts begegnen uns auf der Schotterpiste Ruta 1 der Küste entlang das erste Gürteltier, die erste Schildkröte, die erste Riesenspinne, der erste Hase und die erste haushoch mit Sand zugewehte Straße. Das haben wir in den paar Tagen hier schon gemerkt: es gibt richtig „Wetter“. Wenn es regnet, dann schüttet es, wenn der Wind geht, dann bläst er richtig… bis eine Düne ein Haus oder auch die Straße einfach „zugewandert" hat.

Eine unwirkliche Gegend, insbesondere bei Nebel und Wind: Die kleine Siedlung Bahía Creek 70 km südlich von La Lobería - dazwischen den beiden Ortschaften liegt nichts!

Die Ruta 1 in Argentinien ist so etwas wie das Gegenstück zum Highway No 1 in den USA, nur am Atlantik statt am Pazifik, eine Schotterpiste statt eine Autobahn und nach unserer Meinung viel schöner als die amerikanische Version! Uns erreichen jedoch unterschiedliche Meldungen zum Straßenzustand für die Weiterfahrt nach Süden. Einige meinen, mit Allrad wäre das machbar, andere wiederum wissen von einer Straßensperrung wegen Wanderdünen auf der Straße. Die unsichere Stelle ist erst in 150 km (macht 300 km wieder zurück zum Ausgangspunkt!), aber wir beschließen, das Risiko einzugehen und wollen uns die Bescherung mit eigenen Augen ansehen. Als wir ankommen, können wir das Ausmaß nur noch erahnen, denn seit ein paar Tagen ist eine kleine Baustellen eingerichtet und die Planierraupe hat den Sandberg schon kräftig „aufgeräumt“. Der Baggerführer unterbricht sein Mittagessen für uns, schiebt eine Schneise durch die noch vorhandenen Sandmassen und mit Allrad, Untersetzung und Differenzialsperre pflügen wir durch die extra für uns geschaffene Lücke. Das Ganze haben wir unserer Nationalität zu verdanken. Er denkt nämlich, dass seine LIEBHERR-Raupe, auf die er sichtlich stolz ist, aus Deutschland kommt, so wie wir. Dass Liebherr inzwischen ein Schweizer Unternehmen ist, behalten wir für uns. Stattdessen bedanken wir uns sehr herzlich für diesen netten Extra-Service!

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Dorf und Zufahrtsstraße von Bahía Creek werden vom Sand zurück erobert.


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