Wendepunkt am Ende der Welt - Feuerland

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Zerklüftete Seen- und Insellandschaften vor verschneiten Gipfeln - Nationalpark Tierra del Fuego. 

Vor vier Wochen sind wir bei 35° südlicher Breite in Montevideo gestartet, nach genau 5000 km haben wir Ushuaia bei 55° südlicher Breite erreicht und damit den südlichsten Punkt* unserer Tour durch Argentinien und Chile.

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Zwei Dinge fallen uns sofort auf, als wir über die Insel nach Süden fahren: zunächst gibt es wieder Bäume und Wald und dann kommen nach einem Monat topfebener Pampa wieder Berge in Sicht - die schneebedeckten Gipfel der südlichsten Ausläufer der Kordilleren, die immerhin bis zu 2500 m hoch sind. Dieser Anblick bestätigt uns sofort, dass es richtig war den Umweg nach Feuerland zu machen - wir hatten lange hin und her überlegt, ob wir dem touristischen Hype nach Feuerland und speziell nach Ushuaia folgen sollen.



Weiterhin überrascht uns, dass der Sturm der letzten Tage ganz und gar aufhört und wir am ersten Abend sogar im Freien grillen können. Einen Tag später werden wir allerdings von einem Schneeregen überrascht und am dritten Tag wachen wir mit 10 cm Neuschnee auf. Sonne und Schnee wechseln sich eine Woche lang ab. Es ist richtig Wetter auf Feuerland - so wie man es erwartet am Ende der Welt, aber der Sturm ruht sich bis auf wenige Stunden aus!

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Ushuaia, das sich den Beinamen südlichste Stadt der Welt gibt, hat eine einzigartige Lage. Zwar erinnert die Landschaft schon sehr an die einer norwegischen Küstenstadt, trotzdem ist das Panorama mit den steilen, verschneiten Bergen als Hintergrund für einen Hafen mit Antarktisflotte so schnell nicht zu überbieten. Noch besser aber ist die Vermarktung! Denn was die Stadt selbst außer ihrer Lage noch zu bieten hat, entzieht sich etwas unseren Blicken. Ja natürlich, ein Restaurant am anderen, jede Menge Reisebüros für Schiffstouren im Beagle-Kanal, zur Antarktis oder um Kap Hoorn; aber auch verkommene Bretterbuden außerhalb des aufgehübschten Zentrums, die schlechtesten Straßen in Argentinien und im Café Ramos Generales (zu empfehlen wegen der Kuchen und des museumsreifen Interieurs) den plörrigsten Café con leche der letzten 5000 km. 

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Zwei Dinge wollen wir uns in aber Ushuaia nicht entgehen lassen: Trotz Wintereinbruch mit 10 cm Neuschnee am Morgen, wandern wir zum Fuß des Matial Gletschers, um auf dem Weg den herrlichen Ausblick über die Stadt genießen zu können - der leider wegen des Schneeregens etwas sehr verschleiert ist (siehe Diashow).


Und zweitens wollen wir den südlichen Wendepunkt unserer Reise unbedingt mit einer Königskrabbe, die nirgends besser schmecken kann als hier, feiern. Doch nachdem wir dem überdimensionalen Krabbeltier in dem „authentischen“ Fischlokal El Viejo Marino mit vorwiegend japanischen(!) Gästen mit der Schere zu Leibe gerückt sind, ziehen wir uns noch am gleichen Abend in den Nationalpark Tierra del Fuego zurück (siehe Diashow).



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Einsame Übernachtungen in der Natur, Wanderungen durch immergrünen „kalten Regenwald“, zur Kaskade des Rio Pipo und zu herrlichen Ausblicken über den Beagle-Kanal mit seinen zerklüfteten Inseln und Seitenkanälen treffen schon eher unseren Geschmack. Unser persönlicher Höhepunkt ist die Wanderung Sendero Hito XXIV im Lapataia Gebiet entlang des Lago Acigami zur chilenischen Grenze. Durch Südbuchen-Urwälder geht es über Stock und Stein, Bäche und Pfützen zum Grenzstein (=hito) XXIV. Wir wissen nicht was faszinierender ist, der dichte Urwald, durch den der Weg sich förmlich durchkämpft oder die Ausblicke über See und Berge - einfach grandios!  Übrigens: Nicht alle Wanderer halten sich dran, aber das Überschreiten der grünen Grenze zu Chile ist ausdrücklich verboten ;-) 

*Ushuaia - der südlichste Punkt unserer Reise, liegt gar nicht soweit südlich, wie man vielleicht denken mag. Nach Norden geklappt landet man gerade mal in Flensburg! Damit ist es im Winter auch nicht ewig dunkel, wie man in so manchem Reiseführer lesen kann, und im Sommer ungefähr so lange hell, wie bei uns zu Hause. Das Klima ist jedoch viel rauer. Wir haben jetzt vier Wochen vor Sommeranfang gleich zweimal einen Wintereinbruch mit Schnee erlebt!


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Zum Starten der Diashow auf ein Bild klicken.


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