Ngorongoro: Die Kehrseite der Medaille oder
Wir wollen den Krater nicht kaufen!

Lange haben wir überlegt, ob wir den Ngorongoro Krater und den Serengeti NP besuchen, denn die Preise finden wir mehr als abschreckend. Aber jetzt sind wir hier, so schnell werden wir auch nicht wieder kommen, also gönnen wir uns zwei Tage in diesen Super-Parks!

Vorweg: Das Erlebnis war großartig, wir möchten es nicht missen! Trotzdem hier ein paar kritische Bemerkungen, da uns diese zwei Tage auch reichlich Nerven gekostet haben. 


Bürokratie

Station 1: Zuerst müssen wir zu einer Bank in Karatu, 15 km vom Parkeingang entfernt. Dort wollen wir bezahlen: 24 h im Krater, zwei Personen, dieses große Auto dort und Camping, bitte. Aber wie viel? Eine Preisliste - die erste, die wir sehen - gibt Auskunft: 560 Doller! Wir hinterfragen einige Positionen, es folgt ein Telefongespräch, stimmt leider. Ok, man lebt nur einmal.

Station 2: Mit dem Einzahlungsbeleg müssen wir zum Parkbüro, auch in Karatu. Zwei beleibte Damen brauchen etwas Zeit, bis sie sich aus ihrer entspannten Haltung hochgeschraubt haben. Letztendlich erhalten wir eine vorläufige Geldkarte, auf die unsere 560 Dollar gebucht werden. Zum Abschluss: "Ach so, Sie reisen gar nicht heute in den Park? - Nein morgen! - Hm, die Karte gilt aber auch noch morgen.“ Hoffentlich!

Dann fragt Heike auch noch nach Informationsmaterial zum Krater. Süffisantes Lächeln, was sind denn das für dumme Fragen. Fahrt erst mal um Krater, dort bekommt ihr jede Menge Informationen. 

Station 3: Am Parkeingang erklären wir gegenüber Person 1: Wir wollen in den Krater, zwei Personen, dieses Auto dort und Camping bitte. Er ist erstaunt, dass wir eine Geldkarte haben, obwohl es vorher hieß, dass das die einzig mögliche Zahlungsart ist. Egal, wir müssen zum Schalter dort. Person 2 stellt die gleichen Fragen und errechnet den Preis: 400 US Dollar. Warum 400 und nicht 560? Ist halt so - um so besser! Person 3 übernimmt, füllt fein säuberlich ein großes Formular aus: zwei Personen, ein Auto, Einfahrt in den Krater, Camping. Der Preis liegt immer noch bei 400 USD. Und wie bekommen wir unser zuviel eingezahltes Geld wieder? Hier kommt Person 4 ins Spiel, der diensthabende Manager. Es dauert nur eine halbe Stunde inklusive der ersten Eskalation und wir halten 160 USD Bargeld in der Hand. In der Zwischenzeit bekommt Heike im Wärterhäuschen von Person 5 einen Stempel auf das Formular und Person 6 kontrolliert den Stempel. Jawoll - alles okay!

Als wir endlich mit 160 Dollar in der Tasche und abgestempeltem sowie geprüftem Formular das Gate passieren, will uns tatsächlich noch einer anhalten …

Bürokratie-Geschichte am Ende angekommen? Nein! 

Station 4: Am Kraterrand. Hier gibt es noch einmal eine Kontrolle: anhalten, aussteigen, registrieren - wir haben ja alle Dokumente, das kann also nicht schwierig sein. Weit gefehlt! Der Kontrollposten erklärt, dass unser Auto sowieso gar nicht in den Krater fahren darf, weil es zu groß ist. Wie bitte? Es gibt eine Preisliste bis 7 t und der Parkmanager hat vor einer Stunde am Parkeingang direkt neben unserem Auto gestanden! Es hilft nichts. Wir sollen bitte zurück fahren zur Parkverwaltung, das wäre ja nicht weit und dort einen weiteren Genehmigungsstempel abholen. Da ist uns dann doch der Kragen geplatzt: Peter erklärt ultimativ, dass wir nicht zurück fahren werden. Stattdessen werden wir mit unserem Auto auf der Stelle stehen bleiben und den Eingang zum Krater versperren bis die Sache geklärt ist. Der Wächter glaubt es nicht, so stur war noch keiner. Er fängt hektisch an mit seinen vorgesetzten Stellen zu telefonieren. Ein Guide kommt hinzu und redet auch noch auf ihn ein. In völliger Verzweiflung lässt er uns nach 20 Minuten in den Krater fahren, jedoch nicht ohne hervorzuheben, dass das jetzt sein persönliches Risiko ist. Mit dem letzten Funken guten Willens bedanken wir uns sogar und krabbeln die steile Kraterwand mit unserem Vehikel hinunter.

Sind wir jetzt am Ende? Nein, Fortsetzung folgt.

Station 5: Wir verlassen am nächsten Morgen die Ngorongoro Conservation Area und sind wieder guter Dinge - geschafft! Auch hier sollten wir falsch liegen. Der zuständige Manager erklärt uns, dass wir 560 US Dollar statt 400 hätten zahlen müssen. Zur Kasse bitte. Nun ist aber genug! Wir erklären, dass wir eine nachträgliche Preisanpassung leider nicht akzeptieren können. Außerdem haben wir oft genug nachgefragt, was wir zahlen müssen und nie falsche Angaben gemacht. Die Situation eskaliert und er droht mit der Polizei. Bitte sehr, soll er doch - wir haben eine ordentliche Quittung! Macht er dann doch nicht. Die Wogen glätten sich wieder etwas und eine halbe Stunde später dürfen wir „ausnahmsweise wegen der besonders unglücklichen Umstände“ weiter fahren.

Was für ein Chaos! Ein ähnliches Drama erleben wir bei der Einfahrt in die Serengeti, aber die Details schenken wir uns hier.


Preise

Die Preise für die Nationalparks in Tansania sind aus unserer Sicht maßlos überzogen und nicht nachvollziehbar. Für 24 Stunden müssen wir beide (als Ausländer mit einem Auto über 2t) Folgendes bezahlen:

- 560 USD in der Ngorongoro Conservation Area (NCA) 
50 USD Eintritt pro Person, 200 USD Gebühr für das Auto, 30 USD Camping pro Person und noch einmal 200 USD, weil wir nicht nur durch die Conservation Area, sondern in (!) den Krater fahren wollen

- 330 USD im Serengeti NP 
60 USD Eintritt pro Person, 150 USD Gebühr für das Auto,  30 USD Camping pro Person 

Zum Vergleich: Die „Wildcard“ in Südafrika gilt für 12 Monate als Eintrittskarte für 83 Nationalparks und kostet für uns beide zusammen 180 USD. Eine Übernachtung im Krügerpark kostet pro Person ca. 9 USD und die Camps sind sehr viel netter als die in Tansania.

Auf der  Webseite der NCA war die Preisliste leer. Wir haben später erfahren, dass es eine neue Webseite gibt und die alte nicht mehr gültig ist. Der Seite selbst konnte man das nicht entnehmen.

Peter meinte mehrmals zu den Kassierern „Wir wollen den Krater nicht kaufen!“ Aber keiner hat den Witz verstanden :-(


Der magere Gegenwert

Eine Informationsbroschüre zu den Parks gab es nicht, auch keine Karte mit den wichtigsten Aussichtspunkten/ Picknickplätzen etc., nicht einmal eine einfache Zeichnung. Ohne eigene Karte oder Navi ist man aufgeschmissen! In der NCA war nicht einmal unser Public Camp ausgeschildert. Die Beschilderung auf den Straßen in der NCA war desolat oder nicht vorhanden, in der Serengeti allerdings ganz gut. Die Straßen selbst waren kaum besser.

Die Info-Center, die in südafrikanischen Nationalparks oft echte Highlights sind, waren eher jämmerlich. Gut war das Relief-Modell des Ngorongoro Kraters - das war leider das einzige, was in Erinnerung geblieben ist.

Wir waren gewohnt, dass die Parkangestellten sehr gut Bescheid wissen, wo sich welche Tiere gerade aufhalten und ihr Wissen sehr gerne weitergeben. Meist gibt es am Eingang eine täglich aktualisierte Liste, wo Löwe & Co gesichtet wurden. In der Serengeti wollten wir  natürlich gerne wissen, wo genau sich die Gnus auf ihrer großen Wanderung befinden. Was für eine Frage! Heike geht ins Visitor Center der Serengeti - keiner anzutreffen, im Buchungsbüro für Ballonflüge - keiner da, am Kiosk - leider auch nicht, im Shop - leer! Auf dem Rückweg kommt dann doch noch der Shop-Betreiber, weiß aber natürlich nichts. Erst ein Guide, der von ihm herbei gerufen wird, gibt etwas unwillig Auskunft. Er fragt dreimal, ob wir wirklich allein reisen und keinen Guide bei uns haben. Nein, wir reisen nur zu zweit! Er staunt Bauklötzer - den Fall gibt es eigentlich nicht! Wir waren tatsächlich die Einzigen, die allein ohne Guide in den Parks herumgefahren sind. 


Fazit: 

Man ist in keinster Weise auf Individualtouristen eingestellt. 

Unser Eindruck: Man will sie auch gar nicht haben!


© P Wroblowski / H Zängerlein 2015                                                                                                                                                          Disclaimer          Kontakt          Sitemap