Begegnung der dritten Art

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Es sollte ein ganz gemütlicher Ruhetag am Tanganyikasee werden: lesen und planen, schreiben und Webseite veröffentlichen. Da fährt ein Geländewagen mit zivilem Kennzeichen vor aus dem sechs Personen aussteigen, davon vier in Uniform. Die anderen beiden stellen sich für afrikanische Verhältnisse sehr kurz als Mitarbeiter des tansanischen Immigration Office vor und übergangslos geht es zur Anklage über: Wir hätten uns beim Campingplatz nicht registriert! Wie? Das ist schnell zu widerlegen. Das Gästebuch und den Rezeptions-Angestellten haben sie gleich mitgebracht - die letzte Zeile im Buch ist unser Eintrag. Dennoch gibt es dazu Diskussionen - das fängt ja ziemlich blöd an.

Trügerische Idylle am Tanganyika-See

Jetzt verlangen sie unsere Pässe und studieren sie sehr gründlich. Anklage 2: Unser Visum sei nicht gültig!

Wir sind während der letzten Monate viermal nach Tansania eingereist. Dafür haben wir ein Visum für 90 Tage und mehrfache Einreise verlangt. Bei keinem Grenzübergang gab es Probleme. Und nun will uns ein Beamter in Zivil, der sich nicht einmal richtig vorstellt, erzählen, dass wir illegal im Land sind!

Vielleicht wollte sich ein ganz besonders vorbildlicher Bürger bei der Obrigkeit einschmeicheln? Wir haben uns am Vortag von einem Ladenbesitzer seine muslimischen Kalendersprüche übersetzen lassen und uns nach dem Ausgang der Wahlen, den Unruhen auf Sansibar und der Sicherheit im Land allgemein erkundigt. Zwei weiße Reisende in einem seltsamen Auto, die politisch motivierte Fragen stellen - das war dann wohl zu viel. Ob wir jemals den Hintergrund erfahren?

Wir argumentieren, diskutieren, widerlegen bis die Delegation nach einer Stunde einsieht, dass sie bei uns auf Granit beißt. Sie ziehen unverrichteter Dinge ab, versichern uns jedoch auf Nachfragen, dass wir bei der Ausreise aus Tansania (mit unserem ungültigen Visum!) bestimmt keine Probleme bekommen werden. Jetzt verstehen wir gar nichts mehr. War das alles nur Fake?

Der Besitzer der Lodge ist gelegentliche „Besuche“ gewohnt, aber der heutige war auch für ihn so ungeheuerlich, dass er noch am gleichen Tag ein Mitglied des Parlamentes kontaktiert. Er erhält umgehend Antwort und „Aufklärung“ wird versprochen.
                                   

Die Moral von der Geschicht: Traue deinem Visum nicht!


P.S. Für Afrika-Reisende:
Wir haben den Vorfall dem deutschen Botschafter in Dar-es-Salam mitgeteilt. Der bedauert (so wie wir), dass auf der Seite des Auswärtigen Amtes zum tansanischen Visum nicht vermerkt ist, ob es Single-Entry oder Multiple-Entry zulässt, und verweist auf die tansanische Botschaft. Auf deren Webseite steht tatsächlich, dass das 50 USD-90 Tage-Visum nur ein Single-Entry-Visum ist. 

Diese Regelung gilt jedoch zum Zeitpunkt der Razzia erst seit 10 Tagen, unser aktuelles Visum wurde jedoch bereits vor sechs Wochen nach der alten Vorschrift ausgestellt. Afrikanische Logik …



© P Wroblowski / H Zängerlein 2015                                                                                                                                                          Disclaimer          Kontakt          Sitemap